Ab dem Januar 2016 dürfen wir den Hof, wo wir bis anhin Gemüse angebaut haben, ganz übernehmen. Mit den Wachstumsberichten wollen wir euch regelmässig über den Stand der Dinge berichten.

Beteiligung

Der Betriebsgruppe ist es sehr wichtig, dass alle Vereinsmitglieder von Anfang an am Prozess teilhaben können. An der Vereinsversammlung im Juni haben sich bereits 43 Mitglieder zum Thema geäussert. Diese Rückmeldungen sind im Protokoll der Versammlung nachzulesen. Damit auch Mitglieder, die nicht an der Versammlung anwesend waren, ihre Gedanken, Ideen und Visionen mitteilen können, wurde vom 31. Juli bis am 17. August 2015 bei allen Mitgliedern eine Umfrage zu den Themen Bewirtschaftung, Produkte, Organisation, Finanzen, Mitarbeit, Hofleben und Weiteres durchgeführt. 21 Mitglieder haben an dieser Umfrage teilgenommen. Die Ergebnisse hat Christof Schüepp zusammen gefasst, sie sind als Dokument Auswertung der Umfrage 31.8.2015 im mysradiesli abgelegt.

Ganz kurz zusammengefasst: Es sind sehr vielfältige und spannende Ideen für den Hof zusammen gekommen. Die meisten Mitglieder, die sich geäussert haben, freuen sich über das Projekt mit seinen vielen Möglichkeiten. Es gibt 4 Mitglieder, die sich biologisch-vegane Landwirtschaft wünschen, also einen Hof ohne Nutz-Tiere. Vielen ist wichtig, dass sie kontinuierlich auf dem Laufenden gehalten werden, sie wünschen sich Transparenz. Und vielen ist wichtig, dass wir in sorgfältigen Schritten vorwärts gehen.

Die Betriebsgruppe ist dankbar für die vielfältigen Überlegungen und wird sie in die weitere Planung mit einbeziehen. Wir werden uns die grösste Mühe geben, euch regelmässig zu informieren und transparent zu sein. Wir bitten aber auch alle, euch die Informationen, die euch fehlen, einzuholen: fragt nach! Meldet euch auch, wenn ihr (anstehende, eigene, neue) Aufgaben angehen möchtet.

Gründung der GmbH und Pacht

Es gibt zwei Rechtsformen, die eine Pacht ermöglichen: Aktiengesellschaft oder eine GmbH. Wir haben uns für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung entschieden. Die Idee ist, dass diejenigen, die auf dem Hof arbeiten werden, GesellschafterInnen dieser GmbH sind und so eine Hofgruppe bilden. Vorerst werden dies Ursina, Niculin, Annakatharina und Marion sein. Annakatharina und Marion werden sich wie bisher ums Gemüse kümmern.

Mittlerweile haben Ursina, Annakatharina, Niculin und Marion die radiesli GmbH gegründet. Sie waren am 29. Juli 2105 beim Notar, für das benötigte Geld für die Gründung haben wir sehr schnell und unkompliziert Darlehen von 4 radiesli Mitgliedern bekommen. So können wir nun als GmbH mit Ueli einen Pachtvertrag abschliessen.

Die Vorbereitungen dieses Vertrags laufen zurzeit. Ueli und Niculin lassen sich dafür derzeit am Inforama Rüti beraten – Die Berechnung des Pachtzinses, das Vorgehen bei Investitionen in den Hof und die Ausformulierung des Vertrages sollen denn auch zusammen mit dem Inforama geschehen.

Uelis Inventar kann fast vollständig von der radiesli GmbH übernommen werden. Ueli erstellt momentan eine Inventarliste, so dass wir wissen was wir ev. noch anschaffen müssen. Betreffend der Wohnsituation von Niculin und Ursina konnte glücklicherweise mit Karin Hermes und ihren Töchtern (die eigentlich einen Vertrag bis März 2017 haben) vereinbart werden, dass sie uns entgegenkommen und spätestens per ersten September 2016 ausziehen. So können die Landwirte bevor die Mutterkühe von der Alp kommen auf den Betrieb ziehen. Ziel der Betriebsgruppe ist es, diese Vereinbarung im Zusammenhang mit dem Pachtvertrag noch schriftlich festzulegen.

Organisationsform

Es ist uns wichtig, dass das Gemüse-Abo, wie es bis anhin organisiert war (finanziell, Anzahl Arbeitseinsätze.....) so weiterlaufen kann wie bisher. Wer sich ausschliesslich fürs Gemüse interessiert, soll auch weiterhin einfach Gemüse beziehen können.

Aber unsere Motivation, diesen Hof zu übernehmen ist ja schon, dass wir versuchen möchten, die Idee des solidarisch getragenen Betriebes Schritt für Schritt vom Gemüse auf den ganzen Hof zu übertragen. Das heisst, dass wir auch für die zukünftigen Hofprodukte AbnehmerInnen suchen, die Mitglied werden, sich am Hof beteiligen, die das ganze Projekt finanziell und ideell mittragen. (das können radiesli Mitglieder, neue Interessierte, ev. auch Läden, Bäckereien, Beizen....sein). Mittragen heisst einerseits, mitbestimmen, was auf dem Hof geschieht und andererseits, Missernten und Überschüsse mit zu tragen. So wie im radiesli bis anhin. Wer an der konkreten Mitwirkung auf dem Hof interessiert ist, wird sicherlich wie derzeit im Gemüsebaubereich Möglichkeiten haben sich aktiv einzubringen. Entsprechend den Interessen im Verein müssen wir hier ein praktisches und auf die spezifischen Hofarbeiten gut angepasstes Konzept entwickeln. Wir finden, es ist höchste Zeit, auch in der Landwirtschaft andere, neue Modelle zu erproben!!!

Es ist eine knifflige Aufgabe, diese neuen Strukturen zu entwickeln, herauszufinden, wie die zukünftigen Aufgaben, Kompetenzen, Verantwortlichkeiten zwischen Verein, Hofgruppe und Betriebsgruppe aufgeteilt werden. Im Moment sind wir noch sehr mit dem Abwickeln der Hofübernahme (Pachtvertrag, Anbauplanung, Umstellung auf Bio, Übernahme Inventar.......) beschäftigt. Wir bleiben aber dran und werden euch über unsere Überlegungen auf dem Laufenden halten. Wer gerne mitdenken möchte zu diesem Thema, kann sich bei der Betriebsgruppe melden.

Stand Hofentwicklung

Der Betrieb wird sich in den kommenden 2 Jahren in der Umstellung zum biologischen Landbau befinden. Während dieser Zeit wird der Betrieb bereits nach den Richtlinien von Bio-Suisse geführt, unsere Produkte sind aber noch nicht Bio-Zertifiziert. Eine biologisch-dynamische Bewirtschaftung ist ebenfalls eine Möglichkeit, Andreas Letsch hat sich bereits mit dem Interesse zur Produktion und Ausbringung entsprechender Präparate bei uns gemeldet und wird diese im Herbst erstmals herstellen und ausbringen. Die vorgesehenen Ackerkulturen - Getreide, und auch zukünftige Kunstwiesen, werden derzeit schon eingesät. Auf den Parzellen, wo nächstes Jahr Kartoffeln, Rüebli und andere Sommerkulturen wachsen sollen, hat Ueli für den radiesli-Hof Zwischensaaten ausgebracht, die den Boden gut auf die geplanten Kulturen vorbereiten. Da wir bereits ab dem kommenden Jahr als Betrieb registriert sind und dieser Tage die Anmeldung für die Direktzahlungsberechtigung eingereicht wird, sollen möglichst alle für den Start geplanten Betriebszweige im kommenden Jahr eingeführt werden. Auf dem radiesli-Hof wird es zu Beginn eine kleine Mutterkuhherde geben. Die Mutterkühe und ihre Kälber werden im Frühling und Frühsommer auf unseren Wiesen weiden und im Sommer auf die Alp gehen. So können wir auf den gesamten Wiesen Winterfutter herstellen damit wir möglichst kein Futter zukaufen müssen. Nebst den Kühen und Kälber werden auch Freilandsäuli (evtl Wollschweine) und Hühner den radiesli-Hof bevölkern. Uns ist es wichtig interessante und für die Umgebung und die Begebenheiten des Betriebes passende Rassen auszuwählen.

Die Anschaffung der Tiere, d.h. unserer Kühe, bedingt, dass die Stallungen entsprechend den aktuelle Normen umgebaut werden müssen. Unsere Idee ist ein Umbau des bestehenden grossen Stalls mit den Pferdeboxen zu einem Laufstall für die Mutterkühe mit einem grossen Laufhof zwischen Stall und Strasse. Der neue Stall soll möglichst einfach und kostengünstig umgebaut werden, dabei jedoch so grosszügig geplant sein, dass sich unsere behornten Tiere nicht gegenseitig verletzen und auch das Ausmisten und Füttern effizient und sicher ist. Auch der Bau eines neuen und grösseren Bschüttilochs und einer grösseren Mistplatte muss ins Auge gefasst werden. Wir möchten möglichst bald schon mit dem Stallbau beginnen und planen diese Bauarbeiten zusammen mit erfahrenen Architekten und Landwirten, die bereits ähnliche Ställe zu Laufställen umgebaut haben. Für die Freilandsäuli braucht es keine fixen Stallungen, sie sind von Frühjahr bis im Spätherbst zur Schlachtzeit draussen und finden Unterschlupf in einem mobilen Stall. Der jetzige Hühnerhof muss je nach Anzahl Tieren erweitert, der Stall aber kaum verändert werden. Weitere grössere und kleinere bauliche Massnahmen wie der Bau eines fixen WC, einer Küche sowie Verarbeitungs- und Aufenthaltsraum im radieslihaus, sowie der Bau einer Solaranlage werden derzeit besprochen. Uns ist es dabei wichtig, dass die Regelung der Finanzierung dieser Investitionen zuvor klar und gut durchdacht sind und in sinnvollen Schritten vorgegangen und sorgfältig geplant wird.

Aktuell Baumpatenschaften

Leider ist Uelis Hostet vor langer Zeit einmal einem üblen Frost zum Opfer gefallen. Es gibt also auf dem Hof kaum Obstbäume. Das wollen wir unbedingt ändern! Bereits diesen Oktober/November oder dann im Frühling 2016 wollen wir die ersten Obstbäume setzen. Niculin und Annakatharina waren bei Glausers in Noflen und haben dort Obstsorten ausgewählt: Vorgesehen sind als erstes: 16 Apfelbäume, 5 Birnenbäume, 5 Zwetschgenbäume, 3 Kirschbäume, 1 Quittenbaum, 1Pfirsichbaum und 1 Pflaume.

Im Durchschnitt kostet so ein Baum ca 100.-,dann braucht es einige Jahre pflegen und hegen, bis der Baum richtig Früchte trägt.

Wir möchten euch also anbieten, Gotte oder Götti von so einem Baum zu werden. Das heisst: Ihr zahlt den Baum und dürft ihn setzen helfen und ihm zu einem guten Start verhelfen. Wer mag, darf auch noch seine Kinderstube mit finanzieren, also die Pflege in den ersten Jahren. Sobald die Bäume Früchte tragen, wollen wir dann ein Obst-Abo anbieten, das allen zugänglich ist, nicht nur den Gotten und Göttis!! (Fägt ja auch mehr, wenn man verschiedene Früchte bekommt...) Die weitere Pflege des Baumes wird dann im Obstabo inbegriffen sein.

Wer eine Baumpatenschaft übernehmen will, melde sich bitte bei Niculin, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit der Angabe, ob Baumpreis von 100.- oder Baum+Kinderstube zu 400.-. Etwas dazwischen ist natürlich auch möglich...:)

Aktuell Kartoffelernte

Niculin hat, noch bevor er ahnte, dass er einst in Worbboden auf eigenem Pachtland stehen wird, im Herbst 2014 von Ueli 3 Aren Land gepachtet und dort 24 verschiedene Kartoffelsorten kultiviert und nun geerntet. Klar, dass dieses „Projektli“ nun zum Test für zukünftig grössere Kartoffelfelder wird – die Ernte findet ihr dieses Jahr aber noch nicht in jeder radieslitasche. Wer aber bereits dieses Jahr Interesse an Niculins bunten und vielfältigen „Tollen Knollen“ hat, kann diese alsbald zusätzlich bestellen und via radiesli-Depot beziehen. Eine Bestellkarte findet ihr bald in euren Taschen. Auf Grund des extrem warmen und trockenen Sommers war der Ertrag mässig. Diese Erfahrung zu machen ist aber auch gut und die Ernte spannend!

Neu: SoLaVelo – Solidarisches Landwirtschafts Velo

Ein Prinzip der Permakultur lautet: „Im Problem liegt die Lösung“. Getreu diesem Motto erlebte eine alte Idee neuen Aufschwung: Die radiesli-Gemüsetaschen zusätzlich zu den bestehenden Autofahrten mit Velos zu verteilen. Die Hoffnung ist, langfristig mehr und mehr Autofahrten zu ersetzen, aber erstmal spielerisch-sportlich und ökologisch-sinnvoll mit viel Spass in bunte Karawane zu radeln.

Wir haben das jetzt bereits zweimal gemacht, mit 10 und 8 Fahrer_Innen: hier gibt es ein Video der Premiere, Pressestimmen und Bilder

Dort gibt es auch mehr Hintergründe und Aktuelles (nächste Fahrt: 9.10.2015). Eine Vision ist es mit dem SoLaVelo – das auch für Solidarisches Lasten Velo stehen kann - mehr Menschen und Projekte in Bern miteinander zu verbinden, die im Hier und Jetzt an resilienten (widerstandsfähigen) und nachhaltigen Lösungen für Morgen tüfteln. Bei der Jungfernfahrt waren bereits drei „nicht-radieslis“ dabei! Juhui!


Wie ihr sehen könnt, haben wir noch viel vor uns bis Ende Jahr – das meiste ist aber bereits erfolgreich aufgegleist und verspricht viel Spannendes, Neues und Aufregendes! Wir freuen uns darauf. Und werden weiterhin berichten.